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Besuch des Zeitzeugen Fritz Pawelzik

Auf keinen Fall solltet ihr mit 79 Jahren noch Berge besteigen. Davon ist mein Knie kaputt gegangen und seitdem sitze ich im Rollstuhl!“ Mit diesem skurrilen Ratschlag eröffnet Fritz Pawelzig seine biografischen Erzählungen und über eine Stunde lang hören die Schülerinnen und Schüler der 8. Jahrgangsstufe dem Gast gebannt zu.

Eindrücklich erzählt der in Herne geborene Schalke-Fan von seiner Kindheit, dem Alltag in seiner Familie, den damaligen Wohnverhältnissen und den politischen Geschehnissen. Erstaunlich, dass dieser ältere Herr offen über seinen unbedingten Wunsch, zur Hitler-Jugend gehören und Soldat werden zu wollen, berichtet. Bis zur Festnahme durch die russische Armee hat Fritz Pawelzig für sein Vaterland gekämpft und Menschen getötet. Auch davon, wie ihm beigebracht worden ist, im Einzelkampf einen anderen Menschen zu töten, erzählt er schonungslos.

Die Fragen der Jugendlichen beziehen sich vor allem auf diese Kriegserlebnisse. Ob andere Menschen ihn mit seiner Schuld konfrontiert hätten und wie er damit umgegangen sei, will Helena Gold wissen. Der Glaube an Gott habe ihn gerettet, spende ihm täglich Kraft, deshalb sei er auch 30 Jahre als Missionar in Afrika unterwegs gewesen und darüber zu sprechen, hier bei den Jugendlichen zu sitzen und von diesen Taten zu erzählen, das helfe ihm auch.

Clara Fuhrmann fragt, was er zu Jugendlichen sage, die sich heute zu rechtsradikalen Gedanken oder Gruppen hingezogen fühlen. Die Antwort fällt nicht gradlinig aus. Das Wichtigste sei, Freunde zu haben, möglichst viele Freunde; und er schließt seinen Bericht mit den drei wichtigsten Punkten seines Lebens, die er von seinem Vater übernommen hat: “3. Die Freiheit des Denkens, 2. Die Demokratie und 1. Die Liebe!“ Als kleiner Steppke habe er diesen väterlichen Rat gar nicht verstanden, aber trotzdem zustimmend genickt. Erst im Laufe seines Lebens habe er diese Maxime zu schätzen gelernt. „Und die Liebe habt ihr ja noch vor euch!“, spricht Fritz Pawelzig in die Runde und die Jugendlichen schauen sich schmunzelnd an.

Michaela Nürnberg,  21. September 2011