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1864 Am 3. Juni gab die Polizeiverwaltung bekannt, dass "auf dem Platz hinter den Anlagen beim Schützenhaus an der Straße nach dem Rondell" eine Gasbereitungsanlage errichtet wird. Als Bauherren wurden F.A. Egels aus Berlin, W. Kornhardt aus Stettin und F. Neubert aus Wriezen benannt. Nach nur sehr kurzer Bauzeit war lt. Jahresstatistik der 1. Dezember 1864 der Tag der Eröffnung, während andere Berichte von einer Fertigstellung von der Aufnahme der Gasproduktion im Frühjahr 1865 berichten. Zur Speicherung des Gases diente ein Gasbehälter mit 500 Kubikmeter Inhalt.
1885 gab es in Wriezen 109 Straßenlampen, deren stündlicher Gasverbrauch 1/6 cm3 pro Laterne betrug. Der Preis für die Straßenbeleuchtung betrug pro Kubikmeter 16.3 Pfennig, für Private und Motoren 25 Pfennig. Die Jahresproduktion betrug 108 969 Kubikmeter. Die Gasverluste betrugen nur 4,86 %. Verbraucht wurden 351,3 Tonnen englische Steinkohle mir einem Zusatz schlesischer Kohle. Wriezen hatte um diese Zeit 7245 Einwohner.
1894 brannten 121 Gaslaternen bei konstanter Einwohnerzahl und Gasverbrauch. Die Länge des Gasrohres betrug 7,3 km. Zu dieser Zeit waren in der Gasanstalt 5 Arbeiter beschäftigt, die täglich 12 Stunden arbeiten und schwere manuelle Tätigkeiten verrichten mussten. Die Gasanstalt gehörte F. Neuberts Erben, leitender Ingenieur war A. Heinrich.
1900: Am 1. Oktober erwarb die Stadt Wriezen das Werk zu einem Preis von 72 000 Mark und
1903 begann unter der Leitung des Direktors Hugo Richter (in Wriezen "Gas-Richter" genannt) ein großzügiger Ausbau. Ein neuer Gasometer wurde installiert mit einem Fassungsvermögen von 1500 Kubikmetern. Auch wurde das gesamte Rohrnetz erneuert, da der stark gestiegene Gasverbrauch größere Durchmesser verlangte.
1910 - 1911 erfolgte ein weiterer Ausbau. Der gestiegene Bedarf an Gas erforderte ein Zweischichtsystem. Zu dieser Zeit arbeiteten dort sechs Ofenarbeiter, die 22 Mark Lohn pro Woche erhielten, 2 Hofarbeiter für weniger als 20 Mark, ein Monteur für 18 Mark pro Woche. Außerdem war noch ein Helfer im Rohrnetz angestellt.
Der anfallende Koks ging an die umliegenden Güter und wurde in Hektoliter gemessen. Ein Hektoliter entsprach etwa 80 Pfund.
Gasabnehmer in der Stadt waren vorwiegend Kaufleute, denn nur diese besaßen das Geld, um sich Leuchtgasanlagen einbauen zu lassen. In kleineren Betrieben wurden die Dampfmaschinen durch gasbetriebene Motoren ersetzt.
1916/1917 wurden dann auch in den Wohnungen zunehmend Leuchtgas eingeführt und man begann mit dem Einbau von Münzgaszählern.
1920 erfolgte durch den Einbau neuer Öfen eine Modernisierung.
1928 war der Bedarf an Gas, das nun nicht mehr überwiegend als Leuchtgas, sondern zur Umwandlung in Wärme genutzt wurde auf 600.000 Kubikmeter gestiegen. Es wurde ein Teleskop-Gasbehälter mit einem Fassungsvermögen von 2500 Kubikmetern erbaut.
Während des 2. Weltkrieges (bis April 1945) wurde die Gasproduktion durch Kriegsgefangene aufrechterhalten. Es wurde in 12 Stundenschichten gearbeitet. Doch bereits im Monat März fehlten schon die Kohlen. Aus diesem Grunde wurde damit begonnen, Holz zu vergasen. Während der Kämpfe um die Stadt erhielt das Werk nur kleine Treffer.
1945 Der Neuaufbau begann mit der Reparatur des Gasnetzes zum Wasserwerk, um die Bevölkerung mit Wasser versorgen zu können. Bereits im Juli konnte das Wasserwerk arbeiten und einen Teil der Stadt versorgen. Um die Stadt mit Gas zu versorgen, waren die Schäden zu groß und als im Herbst 1945 Elektroenergie zur Verfügung stand, wurde die Gaserzeugung eingestellt. Das gesamte Rohrnetz musste erneuert werden.
1951 Am 1. April erfolgte die Wiederinbetriebnahme des Gaswerkes. Wer zu dieser Zeit einen Gasherd besaß, begrüßte jubelnd die kleine blaue Flamme.
Im Laufe der Jahre reichte das Gaswerk dann nicht mehr aus. Es wurde eine Ferngasleitung gelegt und Wriezen bekam sein Gas über diese Leitung.
1993 (Ende) bis Anfang 1994 erfolgte in Wriezen die Umstellung von Stadtgas auf Erdgas.
Der Gasometer wurde abgerissen und heute erinnert an dieser Stelle nichts mehr an das ehemalige Gaswerk der Stadt Wriezen.
Neben Wriezen wurden noch 10 weitere Städte mit ca. 100.000 Gaskunden umgestellt. Das Energieversorgungsunternehmen Weser-Ems-AG Oldenburg (EWE) führte diese Maßnahme aus und betonte, dass Handwerksbetriebe (vorbehaltlich der Eintragung in das Installateurverzeichnis der EWE) beteiligt wurden. Mit insgesamt drei Informationsschreiben wandte sich das Unternehmen an die Bürger, um weitere Details darzustellen. Eine Koordinierungsgruppe (EWE, Stadtverwaltung, HaGeBa) hatte die Aktivitäten vorbereitet. Zur Erdgasversorgung von Wriezen wurde eine Mitteldruckgasleitung neu gebaut, welche das Erdgas von der Regelanlage Altranft zur Regelanlage Rondeeler Weg transportiert. Zur Sanierung des Ortsnetzes wurden in Wriezen noch ca. 4 km Rohrleitung sowie 150 Hausanschlußleitungen ausgewechselt. Dies insbesondere im Biesdorfer Weg, Jägerstraße, Lüdersdorfer Weg, Schulzendorfer Weg, Berliner Berg, Alt-Kietz und Odervorstadt. Nach einer Kontrolle der Gasgeräte wurde deren weitere Verwendungsfähigkeit festgestellt. Hier anstanden Kosten für den Kunden, die durch den geringen Verbrauch bald ausgeglichen sein sollten. |