„Berlin bei Wriezen“ - Auf den Spuren einer NS-Künstlerkolonie im Oderbruch

Im Titel steckt die spöttische Reaktion auf schwergewichtige Tatsachen: Immerhin sollten

hier ca. 10.000 Leute für die künstlerische Produktion arbeiten, eine S-Bahn von Berlin nach

Wriezen und ein Autobahnanschluss gelegt werden. Geplant war eine Künstlerkolonie im

Oderbruch, und zwar in den Städten Wriezen und Bad Freienwalde.

 

1940 bekam Arno Breker, der „Michelangelo des Dritten Reiches“, wie er, ebenfalls

spöttisch, genannt wurde, das Rittergut Jäckelsbruch von Hitler persönlich zu seinem 40sten

Geburtstag geschenkt. Auf dem Gutsgelände lag ein Park, der um ein Atelier von dem Architekten Friedrich Tamms erweitert wurde. Ein Schwimmbad und ein Pumpenhaus, beide noch vorhanden, haben den Park komplettiert. Das Herrenhaus oder Schloss, wie es abwechselnd genannt wird, ist bei Kriegsende vollkommen zerstört worden, das Atelier hat überlebt.

Dem Vernehmen nach hat das Atelier später als Kindergarten für die Kinder von Eichwerder

gedient. Als Horst Engelhardt 1976 eingezogen ist, ist es in einen ruinösen Zustand. Gerlinde Engelhardt erzählte, dass sie sich das Atelier wieder hergerichtet haben und Arno Breker, den sie später einmal in Düsseldorf besucht haben, das ganz entzückend fand. Offensichtlich dachte er, dass sie das ihm zu Ehren gemacht haben und redete wohl die ganze Zeit von sich und schien sich für den Größten zu halten.

 

Die Wahl für die Bildhauerwerkstätten fiel nicht auf Wunsiedel im oberfränkischen

Fichtelgebirge in dessen Nähe sich Deutschlands größter Steinmetzbetrieb befindet, sondern

auf Wriezen. Nahe gelegen im Bezug zur „Reichshauptstadt“ und an einer Wasserstraße, dem Oderkanal, günstig für den Transport großer Steinblöcke wurden die Steinbildhauerwerkstätten Arno Breker GmbH 1941 gegründet und im Sommer 1942 in

Betrieb genommen. Hier sollten allein Reliefs für das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg

und Figuren, also Menschen und Pferde für die Ausschmückung der Großen Achse in Berlin

entstehen.

 

Albert Speer, praktisch zusammen mit Hitler Brekers Hauptauftraggeber, beabsichtigte

ebenfalls, sich am Rande des Oderbruchs in den Bergen von Altranft niederzulassen. Er war

schließlich mit Breker befreundet und besuchte ihn oft in Jäckelsbruch. So muss er auch Carl

Eschenbach, den Besitzer des Gutes Altranft kennen gelernt haben und ihm große Teile seines „bergigen“ Besitzes abgekauft haben. Eine große Menge von Zeichnungen wurden daraufhin in Speers Privatbüro gezeichnet, von denen ein kleiner Teil in der Ausstellung zu sehen ist, so wie es mir auch gelungen ist, anhand der Lagepläne und der Luftbilder von 1953 die genauen Standorte der projektierten Bauten, einem Herrensitz und einen Bauernhof zu entdecken.

 

Zum Ende des Krieges begannen Speers Architekten, mittlerweile im GBI quasi arbeitslos

geworden, der Totale Krieg erforderte alle Anstrengungen, einen Sieg oder ähnliches zu

erringen, sich mit Gedanken und Planungen zum Wiederaufbau zu beschäftigen. Dieser

Wiederaufbaustab tagte von Juli bis November 1944 in Wriezen, nahe genug an Berlin

gelegen und von Bombern überflogen, aber nicht attackiert.

 

Detlef Mallwitz Ortwig, im Mai 2019

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: „Berlin bei Wriezen“ - Auf den Spuren einer NS-Künstlerkolonie im Oderbruch

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